PRESSESTIMMEN

Kronenzeitung (17. November 2005):
Neue Tribüne: James Saunders’ Einakter

Wenn Damen morden

Die Neue Tribüne – und gleichzeitig die alte von Otto Ander jahrzehntelang geleitete Tribüne im Keller des Cafe Landtmann – feiert unter der Leitung von Karlheinz Wukov Auferstehung mit interessanten Programmen und prominenten Namen. Zum 15. Todestag Hilde Spiels, der „Grande Dame der österreichischen Kulturpublizistik“, entschied man sich nun für die von ihr übersetzten Boulevardkomödien James Saunders.

„Wirklich schade um Fred“ stellt ein von Alzheimer geplagtes Ehepaar mit den ewig gleichen Streitritualen auf die Bühne: Doch da stellt sich heraus, dass der immer wieder bedauerte Fred der frühere Ehemann der Mrs. Pringle war, den ihr neuer Gatte ermordete. Als er in flagranti ertappt wurde. Mit Ironie und Parodie ist der Engländer Saunders seinem großen Vorbild Eugene Ionesco da sehr nahe gekommen.

Helga Papouschek und Karlheinz Wukov verkörpern mit bemerkenswerter Selbstaufgabe die altgewordenen einstigen Liebenden. Regie führt Burgschauspielerin Elisabeth Augustin, der man mehr Tempo und Striche hätte abverlangen sollen.

Im zweiten Einakter „Ein unglücklicher Zufall“ gesellt sich zu Papouschek und Wukov noch die köstliche Johanna Thimig (Tochter von Vilma Degischer und Hermann Thimig). Auch hier geht es um leichtfertigen Mord, um zweimaliges unabsichtliches Hantieren mit dem Revolver, bei dem die Ehemänner daran glauben müssen, während sich die Frauen wieder ungeniert der Fernsehunterhaltung zuwenden.

Unsere heutigen Probleme haben sich gegenüber den 6oer Jahren des vorigen Jahrhunderts natürlich verschoben; aber so gut gespielt kann man sich dem hintergründigen Witz nicht entziehen.

H.M.

 

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Wiener Zeitung (11. November 2005):
Neue Tribüne: James Saunders’ Einakter

Niveauvolle Boulevardkrimis

Von Lona Chernel

Mr. und Mrs. Pringle sind seit langem miteinander verheiratet. Wie lange, das wissen sie selbst nicht mehr so genau.

Sie leben aneinander vorbei, streiten über Nichtigkeiten, weil es doch irgendwelche Emotionen geben muss, und sie erinnern sich an Fred. Verschwommen, so wie ihnen alles im Lauf der Jahre verschwommen ist. Nur eines wissen sie noch: Sie haben Fred umgebracht.

Komödie mit Knall

Elisabeth Augustin inszenierte James Saunders "Wirklich schade um Fred" als überdrehte Farce, das Stück nach der Pause, Saunders "Ein unglücklicher Zufall" fast wie eine Boulevardkomödie und gab Helga Papouschek so die Möglichkeit nicht nur in zwei ganz unterschiedlichen Rollen, sondern auch in zweierlei Stilen zu brillieren.

Freilich, beides ist absurdes Theater, aber – so könnte man sagen – in anderer Verkleidung. Um Mord geht es in beiden Stücken, man begegnet ihm nur nicht auf die gleiche Art. Und so kann auch Karlheinz Wukov seine komödiantischen Trümpfe ausspielen. Johanna Thimigs trockener, hintergründiger Humor kommt leider nur im zweiten Stück zum Einsatz.

Mit diesen minutiös erarbeiteten, mit Verve präsentierten Komödien gibt die Neue Tribüne, wie sich das Theater im Café Landtmann jetzt nennt, ihre Visitenkarte ab und positioniert sich als Ort für niveauvolle literarische Unterhaltung.

Niveauvolle Unterhaltung mit Absurdem.

Freitag, 11. November 2005

 

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"Wiener Zeitung"
Tribüne: Hannelore Hoger las Märchen von Andersen

Luxus zum Start

Von Lona Chernel

Dem allgemeinen Saisonstart der Wiener Kleinbühnen kam heuer eine zuvor: Die Tribüne im Café Landtmann. Und gönnte sich – und dem Publikum – einen luxuriösen Start: Hannelore Hoger las Märchen von Hans Christian Andersen.

Die Hoger begann mit dem längsten Märchen, der "kleinen Meerjungfrau". Darauf folgte "Die Hirtin und der Schornsteinfeger", eine kaum bekannte, durchwegs humorige Geschichte. "Der standhafte Zinnsoldat" und zum Abschluss "Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern" bewegten sich dann wieder im Bereich des Bekannten.

Frau Hoger begann den Abend verhalten, las langsam, ohne große Emotion, gönnte dem Publikum Zeit, sich auf Andersens Märchentonfall einzuhören.

Nach der Pause setzte sie dann die volle Palette ihrer Schauspielkunst ein, leicht, charmant und komödiantisch. Sie führte das Publikum mit Verve zu dem Märchen hin, das ihr, die sich privat vehement für missbrauchte und misshandelte Kinder einsetzt, wohl auch das Wichtigste ist. Und sie entließ ihr Publikum mit dem deutlich spürbaren Aufruf zum "Nie-wiederWegschauen".

Mittwoch, 07. September 2005

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"Wiener Zeitung"

Theater Tribüne: "Frau Warrens Beruf"

Ausbeutung und Scheinmoral

Von Lona Chernel
Der "Loser Kulturverein" präsentiert in der "Neuen Tribüne" (Leitung: Karlheinz Wukov) Bernard Shaws Abrechnung mit Unterdrückung, Doppelmoral und Scheinheiligkeit "Frau Warrens Beruf" mit der hochbegabten Heide Maria Hager als Vivie.

Es ist ein sehr Dialog-lastiges Stück, scharf, prägnant und schwierig. Sicherlich eine Herausforderung für eine so junge Regisseurin wie Renate Woltron. Doch sie stellte sich mutig und hat auch einigen Erfolg zu verzeichnen. Vor allem Vivie, die junge Frau, versucht sich von den Machenschaften ihrer Mutter zu befreien, steht ihr anscheinend sehr nahe und so führte sie die Darstellerin Heide Maria Hager zu einer überzeugenden schauspielerischen Leistung.
Ebenso vielschichtig und präsent ist Manuel Girisch als Praed. Ein bisschen ins Schwanken geriet sie bereits bei Christof Weber als Frank, einem talentierten Jungmimen, der die schwierige Figur nicht ganz auslotet. Wenig konnte die Regisseurin mit Frau Warren selbst anfangen, dieser zwiespältigen Antwort auf eine zwiespältige Gesellschaft. Sie lässt den vielen Facetten dieser Frau zu wenig Raum und nimmt der an sich vorzüglichen Darstellerin Gerda Kamna manche Möglichkeiten.
Nicht besser ergeht es Franz Becke, dessen Pastor hier einfach nur ein Feigling sein darf. Hannes Lewinski schließlich präsentiert sich als eindimensionaler Schurke (auch nicht ganz im Sinne seines Erfinders).
Eine Aufführung also, die Erfreuliches bietet, aber auch manche Wünsche offen lässt, in jedem Fall aber zum Nachdenken und Diskutieren anregt.

Erschienen am: 05.04.2005

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ALPENPOST
Zeitung des Steirischen Salzkammergutes

KRITIK:

Abendvorstellung in Bad Aussee am 27.Oktober 2004 

Länderbühne beeindruckt mit „ SIBIRIEN“ 

Felix Mitterer ist immer brandaktuell in seinen Stücken. So auch mit „SIBIRIEN“, einer erschütternden Bestandsaufnahme des Abgeschobenseins im Alter. Dem alten Mann geistern nicht zu Unrecht seine Erinnerungen an die eiskalte Kriegsgefangenschaft in Sibirien durch den Kopf. Nur ist seine Situation fast noch schlimmer, weil ihn der eigene Sohn samt Schwiegertochter nicht mehr in der Wohnung haben will. Nicht einmal um den Preis seines Sparbuches, das er als letztes Pfand der Hoffnung hingibt. Vergebens, er wird nicht heimgeholt. Und in der „Verwahrungs- und Sterbeanstalt“ kann er sich nun auch keine Vergünstigungen mehr „erkaufen“, sodaß schließlich das bißchen Widerstand gegen menschenunwürdige Behandlung als lästig , unbequem, altersstarrsinnig solange niedergespritzt wird, bis der „Alte“ endgültig aufgibt und - offensichtlich für alle Beteiligten endlich (!!) – stirbt .Michael Neher spielt ihn großartig diesen „Alten“, der systematisch gebrochen wird und an der Lieblosigkeit zugrunde geht. Die Regie Karlheinz Wukov , das Bühnenbild Siegbert Zivny und die Technik Miklos Kosik trugen das Übrige dazu bei, dass dieser gut besuchte Theaterabend der Österreichischen Länderbühne im Pfarrheim Bad Aussee ein voller Erfolg wurde.

 

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„DIE PRESSE“  Montag, 28. Juni 2004

 Kritik anlässlich der Premiere von
„Brief einer Unbekannten“ im Theater „DIE NEUE TRIBÜNE“ 

IN SEELENWELTEN 

Die Theatergruppe „ARIUS AQUARIUS“ präsentiert Zweigs „Brief einer Unbekannten“

Eine Frau hat lange geschwiegen. Jetzt, am Totenbett ihres Kindes, spricht sie: Sie bekennt  dem Mann, den sie seit ihrer Kindheit anbetet, dem Vater ihres Kindes, für den sie stets eine Unbekannte blieb, wie sehr sie ihn geliebt und wie sehr er sie durch Missachtung gedemütigt hat. Mit viel Fingerspitzengefühl hat die Theatergruppe ARIUS AQUARIUS Stefan Zweigs Briefmonolog „BRIEF EINER UNBEKANNTEN“ für die Bühne adaptiert. Im Mittelpunkt steht dabei immer die Sprechende (Reya Galen – Kumbaraci), deren Aussagen durch Musik oder (manchmal etwas zu banale ) Videoprojektionen untermalt werden.

Das Bühnenbild ist gut gewählt : ein abgeschlossener Raum mit rotem  Samtsofa, einer Vase voll weißer Rosen und einer Kerze macht sichtbar, in welchen Gefühlszuständen sich die Protagonistin befindet. Am meisten beeindruckt diese selbst: Reya Galen-Kumbaraci zieht den Zuseher in die Seelenwelten der obsessiv Liebenden hinab, ihre Wandlungsfähigkeit lässt während des 75-minütigen Monologs nie Langeweile aufkommen. Vom schwärmenden Teenager wird sie zur seligen Geliebten dreier Nächte, zur Gedemütigten, zur heißblütigen femme fatale, schließlich zur trauernden Mutter.

„Ein Theater, das den Schauspielern gehört“ forderte Max Reinhardt zeitlebens und wetterte damit gegen das moderne Regie-Theater. Mit dieser Inszenierung hätte er wohl seine Freude gehabt. Das Publikum hatte sie.

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